Feuerzeuge

Stichflammen bis zu 30 cm Höhe, unzulässiges Flackern der Flamme, Bildung von Rissen bei der Fallprüfung sowie Gasverlust und Explosionen bei der Temperaturprüfung wurden in einer Studie des Verbraucherrates beobachtet. Deutliche Mängel zeigte auch die ISO-Norm zum Thema Sicherheit von Feuerzeugen. Es ist dem Verbraucherrat gelungen, eine Verschärfung dieser Norm zu erreichen (z. B. erhöhte Temperaturbeständigkeit). Ein weiteres Arbeitsfeld war die Entwicklung einer europäischen Norm für kindersichere Feuerzeuge. Diese wird derzeit überarbeitet — mechanische Prüfungen sollen teilweise die vorgesehenen Kinderprüfungen ersetzen. Beide Normen sind de facto verbindlich.

Weiterführende Information

Wer zur Zigarette greift, gefährdet seine Gesundheit. So steht es zumindest deutlich lesbar auf jeder Zigarettenpackung. Wer zum Anzünden ein Einwegfeuerzeug verwendet, kann sich damit ebenfalls einer beträchtlichen Gefahr aussetzen. Zu diesem Schluss kam eine Untersuchung von insgesamt 15 handelsüblichen Einwegfeuerzeugen, die der Verbraucherrat im Österreichischen Normungsinstitut gemeinsam mit dem Verein für Konsumenteninformation (VKI) im Auftrag und mit finanzieller Unterstützung von ANEC, der Europäischen Vereinigung für die Koordination von Verbraucherinteressen in der Normung, im Jahr 2000 durchgeführt hat.

Schwere Sicherheitsmängel

Nur 40 Prozent der getesteten Feuerzeuge - geprüft wurde nach ISO 9994 - haben die Anforderungen der Norm erfüllt. So wurden bei vier Produkten Flammenhöhen bis zu 30 cm -zulässig sind maximal 15 cm - festgestellt.

Bei der Überprüfung der Sauberkeit der Flamme - sie darf nicht „spucken“ oder flackern - schieden sechs Produkte aus, insgesamt drei Produkte bestanden den Falltest nicht, und selbst den in der Norm mit 55°C festgelegten Wärmetest überstanden ebenfalls drei Modelle nicht. Insgesamt haben nur sechs der getesteten Feuerzeuge die ausgewählten Einzelprüfungen nach ISO 9994 unbeschadet überstanden, den strengeren Test nach einer “erweiterten Norm” - u.a. Erhöhung der Wärme von 55°C auf 65°C - gar nur drei Erzeugnisse (allesamt bekannte Markenprodukte). Die Ergebnisse der Untersuchungen wurden im Sommer des Jahres 2000 in mehreren Zeitschriften europäischer Verbraucherorganisationen veröffentlicht. Den Projektbericht gibt es auf der ANEC Webseite als PDF, 527KB.

Testergebnisse verschärfen Norm

Mängel stellten die Tester aber nicht nur an den Feuerzeugen selbst fest, sondern auch die Norm ISO 9994 “Lighters – Safety Specification” zeigte, wie im Projektbericht festgehalten wurde, deutliche Schwächen. Aus diesem Grund wurden in den Bericht eine Reihe von Änderungsvorschlägen aufgenommen, die in der zuständigen Arbeitsgruppe der internationalen Normungsorganisation ISO (ISO TC 61 WG 1 “Lighters”) - die Norm war damals gerade in Überarbeitung - übermittelt wurden.

Es ist den Verbrauchervertretern gelungen, mehrere wesentliche Änderungen durchzusetzen. Insbesondere wurde die Erwärmungsprüfung deutlich verschärft. Feuerzeuge werden nunmehr auf 65°C erhitzt, anstatt wie bisher nur auf 55°C. Dies führte beim Test zu einer signifikanten Erhöhung der Versagensquote. Dies ist besonders wichtig, wenn einmal im Sommer ein Feuerzeug im geparkten Auto liegen bleibt: Temperaturen von 80°C sind in einem in der Mittagssonne abgestellten PKW durchaus keine Seltenheit. Mit dieser nun erreichten Änderung der ISO 9994 konnte nach Meinung des Verbraucherrats das Sicherheitsniveau für Feuerzeuge deutlich erhöht werden. Die formelle Abstimmung fand Ende 2001 statt und die Norm wurde angenommen.

Kindersichere Feuerzeuge

Neben der mechanischen Sicherheit ist auch die Kindersicherheit von Feuerzeugen Gegenstand der Normung. Auch dieses Normvorhaben geht auf ein Mandat der Kommission zurück. Der Hintergrund: zahlreiche Wohnungsbrände mit Sachschäden und Verletzungsfolgen durch zündelnde Kinder. Daher dürfen in den USA und in anderen Ländern auf Grund dort erlassener gesetzlicher Bestimmungen nur noch Wegwerffeuerzeuge mit Kindersperre in Verkehr gesetzt werden. Eine ähnliche Regelung wurde daher auch für Europa in Angriff genommen

Das Projekt wurde allerdings zunächst von den Herstellern blockiert. Ihr Argument: auf Grund nicht ausreichender Kontrollen durch die Behörden sind zahlreiche Feuerzeuge auf dem Markt, welche nicht einmal die elementaren Sicherheitsanforderungen der ISO 9994 erfüllen. Es wurde daher befürchtet, dass auch die zusätzlichen Anforderungen bezüglich der Kindersicherheit von Herstellern aus dem Fernen Osten ignoriert werden und daher ein Wettbewerbsnachteil für die Erzeuger von Markenprodukten entsteht. Durch die Neufassung der Produktsicherheitsrichtlinie wurde allerdings der Stellenwert von Normen erhöht - sie wurden verbindlicher.

Vor diesem Hintergrund fanden im Juni 2001 Gespräche zwischen Vertretern der europäischen Hersteller, der Verbraucher, der Kommission sowie der europäischen Normungsorganisation CEN statt. Das Ergebnis: die Hersteller erhalten eine dreijährige Übergangsfrist und stimmen zu, dass die Norm endgültig verabschiedet wird. Der Verbraucherrat bedauerte die Verzögerung, war aber zufrieden, dass der Stillstand bei der Normerstellung beendet werden konnte.

Importeure von Feuerzeugen aus dem Fernen Osten versuchten bis zuletzt die Verabschiedung der Norm zu verhindern. Auch Vertreter von chinesischen Botschaften in ganz Europa wurden in dieser Hinsicht aktiv. Dennoch erzielte die Norm (EN 13869) bei der formellen Abstimmung im April 2002 ein positives Votum.

Allerdings wurde von mehreren CEN Mitgliedern die Definition von Wegwerffeuerzeugen kritisiert. Im Sinne der Norm ist jedes Feuerzeug ein Wegwerffeuerzeug, welches einen Fabrikpreis von weniger als 2 Euro hat. Dieses Kriterium wurde gewählt, da es nicht möglich war eine technische Definition zu finden. Von Verbraucherseite war die Einschränkung auf Wegwerffeuerzeuge ohnehin nicht als sinnvoll erachtet worden. Die Begründung dafür lag darin, dass diese Produkte häufig achtlos liegen gelassen werden und so leicht in Kinderhände geraten können. Dennoch ist nicht einzusehen, warum teurere Feuerzeuge nicht dieselben Sicherheitsanforderungen erfüllen müssen.

Daher haben die Verbraucherorganisationen Bestrebungen der Kommission begrüßt, das 2 Euro Limit zu streichen, womit auch Luxusfeuerzeuge die Norm erfüllen hätten müssen. Das zuständige CEN-Gremium hat sich zunächst dieser Ansicht angeschlossen und wollte eine überarbeitete Fassung der Norm im Herbst 2002 zur Abstimmung bringen. Heftiger Widerstand der Hersteller von teuren Feuerzeugen war die Folge. Doch auch von Seiten der Importeure billiger Einwegfeuerzeuge kam die eben beschlossene Norm unter Beschuss. Somit bestand die Gefahr, dass bei einer Überarbeitung alle bislang erzielten Erfolge rückgängig gemacht werden. Daher haben sich in weiterer Folge die Verbrauchervertreter gegen eine Änderung der Norm ausgesprochen.

Leider hat dann auch die Kommission einen Rückzieher gemacht und unter dem Druck von bestimmten Herstellern und Importeuren sowie einiger Mitgliedsstaaten die beabsichtigte Veröffentlichung der Referenz zu dieser Norm im Amtsblatt der EU auf unbestimmte Zeit verschoben (eben dem 2 Euro Limit waren auch die Kinderprüfungen Gegenstand der Kritik). Durch eine solche Veröffentlichung wäre die Norm de facto verbindlich geworden. Genau gesagt hätte ein der Norm entsprechendes Feuerzeug als konform zur Allgemeinen Produktsicherheitsrichtlinie gegolten. Bei nicht der Norm entsprechenden Feuerzeugen hätte der Hersteller beweisen müssen, dass sein Produkt dennoch sicher ist.

Mit mehreren Jahren Verzögerung hat die Kommission nach Konsultation der Mitgliedsstaaten im Mai 2006 eine Entscheidung (2006/502/EC) gemäß Artikel 13 der Produktsicherheitsrichtlinie (2001/95/EG) getroffen, die das Inverkehrsetzen von Wegwerffeuerzeugen verbietet, die nicht kindersicher sind. Außerdem wurden Feuerzeuge, die wie Spielzeuge aussehen (novelty lighters), verboten. Diese Entscheidung muss jährlich verlängert werden, da die Produktsicherheitsrichtlinie keine zeitlich unbeschränkte Verbote erlaubt. Die Trennlinie zwischen Feuerzeugen, die wiederverwendbar sind und Einwegfeuerzeugen ist nicht wirklich klar: die “zu erwartende” Lebensdauer von wiederverwendbaren Feuerzeugen soll mindestes 5 Jahre betragen, eine Herstellergarantie von mindestens zwei Jahren soll gegeben werden, die Feuerzeuge müssen während ihrer gesamten Lebensdauer sicher nachfüllbar und reparaturfähig sein, dazu muss es eine Kundendiensteinrichtung mit Sitz in der Europäischen Union geben.

Nach längeren Diskussionen hat die Kommission eine Revision der europäischen Norm EN 13869 verlangt. Entsprechend dem weiteren Mandat, welches im Juli 2008 an CEN gegeben wurde, sollten die Definitionen der Norm an die der Kommissionsentscheidung angepasst, ein anderer Begriff für “novelty lighter” (in der deutschen Übersetzung “Feuerzeug mit Unterhaltungswert”) festgelegt und Alternativen zu der Kinderprüfung gefunden werden (zumindest für einige Typen von Feuerzeugen). Die ersten beiden Punkte wurden zügig abgearbeitet. Aus dem “novely lighter” wurde ein “child appealing lighter” (“Kinder ansprechendes Feuerzeug”). Ein “Amendment” (Änderung) der Norm wurde im Juni 2011 veröffentlicht. Außerdem wurde eine Studie zu weiteren Aspekten - insbesondere zum Thema mechanische Prüfungen als Ersatz für Kindertests - in Auftrag gegeben. Der Endbericht der Studie mit dem Titel “Study on Child Resistance Requirements for Cigarette Lighters” wurde im April 2013 vorgelegt. Demnach könnten mechanische Prüfungen für Feuerzeuge mit piezo-elektronischer Zündung vorgesehen werden. Weitere Beratungen werden im Herbst 2013 stattfinden.