Dekorative Öllampen

Die Einnahme geringer Mengen von Lampenöl für dekorative Öllampen kann zu schweren, irreversiblen Lungenschäden und zum Tod führen. Unter der Leitung des Verbraucherrates wurde eine europäische Norm entwickelt, welche den Zugang der Kinder zum Lampenöl erschwert. Dazu gehört u. a. eine „kindersichere“ Öffnung zum Befüllen, Auslaufsicherheit auch beim Umdrehen der Öllampe sowie ein Dochtschutz, um die Kinder vom Saugen am Docht abzuhalten. Das Design der Lampe darf nicht kinderanziehend sein. Diese Norm wurde 2002 verabschiedet und ist eben­ falls de facto verbindlich.

Weiterführende Information

Öl, wie es für dekorative Öllampen verwendet wird, kann, wenn es eingenommen wird, zu schweren Lungenschäden mit Todesfolge führen. Dazu genügt es schon, dass geringe Mengen des Öls in die Lunge geraten. Kleine Kinder, die das Öl direkt aus den Lampen bzw. aus den Nachfüllflaschen trinken, sind besonders gefährdet. Auf Grund der physikalischen Eigenschaften (Viskosität, Oberflächenspannung) können diese Paraffin- bzw. Isoparaffinöle leicht den Kehlkopfdeckel unterwandern und in die Lunge „kriechen”. Die Symptome umfassen Husten, Fieber, Erbrechen, Atemnot und schließlich chemische Pneumonie (chemisch bedingte Lungenentzündung).

Ein Schluck kann tödlich sein

Bereits ein Schluck (8 bis 15 ml) kann zu irreversiblen Lungenschäden und sogar zum Tod führen. In einzelnen Fällen reicht sogar das Saugen am Docht mit Mengen von nicht mehr als 1 ml aus, um ernste Vergiftungs-symptome zu erzeugen. Nach Angaben des deutschen Bundesamts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) gibt es in der Bundesrepublik Deutschland pro Jahr etwa 250 bis 300 Fälle von chemischen Pneumonien. Die deutschen Giftinformationszentren erhalten im Jahr rund 1.000 Anfragen zum Thema Lampenöle. In Österreich wurden zwischen Mai 1994 und Februar 1997 insgesamt 25 Vergiftungen mit Spitalsbehandlung registriert. In der EU geht man von zehn Fällen pro Million Einwohner pro Jahr aus.

Verbraucherrat leitet Arbeitsgruppe

Im Rahmen der europäischen Chemikaliengesetzgebung wurde festgelegt, dass Lampenöle nur mit kindersicheren Verschlüssen angeboten werden dürfen. Weiters dürfen Lampenöle nicht mehr gefärbt oder parfümiert werden. Diese Vorschriften sollen nun um eine Spezifikation für „kindersichere” Öllampen ergänzt werden. Ein diesbezügliches Mandat wurde 1997 von der Europäischen Kommission verabschiedet. Der Verbraucherrat am Österreichischen Normungsinstitut hat sich um den Vorsitz und die Führung des Sekretariats der zuständigen Arbeitsgruppe der europäischen Normungsorganisation CEN (CEN BT/TF 101 „Öllampen”) beworben und schließlich auch erhalten. Nach Abschluss der Finanzierungsverhandlungen mit der Kommission konnten die Arbeiten im Frühjahr 1999 aufgenommen werden.

In erster Linie geht es dabei um die Dichtigkeit der Lampen (Öl darf auch dann nicht austreten, wenn die Lampe umgedreht wird), um eine kindersichere Ausführung des Öltankverschlusses und darum, dass der Lampendocht für den Kindermund nicht zugänglich ist. Im Verlauf des Projekts wurde ein erster Prototyp einer solchen Öllampe in Kooperation mit dem TÜV Österreich entwickelt. Zu diesem Zweck wurde eine in Schweden erhältliche Lampe, bei der immerhin schon die Dochthalterung festgeschraubt werden kann und nicht einfach lose an der Einfüllöffnung aufliegt, umgebaut. Der Docht wurde mit einer Führung abgedichtet und der Schraubverschluss durch einen Bajonettverschluss, der zum Öffnen eine gleichzeitige Drück- und Drehbewegung erfordert, ersetzt. Schließlich wurde ein trichterförmiger Schutz um den Docht eingebaut, der gewährleisten soll, dass Kinder nicht am Docht saugen können. Außerdem wurden entsprechende Prüfmethoden ausgearbeitet.

Test-Apparatur

Erste erfolgreiche Tests

Mit diesem Prototyp wurden in Zusammenarbeit mit dem norwegischen Verbraucherinstitut SIFO auf der Grundlage der Normen für kindersichere Verpackungen (ISO 8317 bzw. EN 28317) Tests mit Kindern durchgeführt. Die Kinder haben dabei zwei Mal fünf Minuten Zeit, um den Verschluss zu öffnen. Gelingt ihnen das nicht in der ersten Hälfte des Tests, so wird ihnen das Öffnen durch den Prüfer vorgeführt. Insgesamt dürfen sich während der gesamten Prüfperiode nicht mehr als 20 % der Kinder Zugang zum Inhalt verschaffen können (nicht mehr als 15 % in den ersten fünf Minuten). Diese Tests mit Kindern sind sehr zufriedenstellend ausgefallen: Nur sehr wenigen Kindern ist es gelungen, den Bajonettverschluss zu öffnen.

Kind mit Öllampe

Die Norm wird noch eine Reihe weiterer Elemente, etwa Anforderungen an die mechanische Festigkeit (Pendelschlagprüfung), an die Kippstabilität und hinsichtlich der Kennzeichnung, enthalten. Außerdem soll sicher gestellt werden, dass das Design der Lampen nicht die Aufmerksamkeit der Kinder auf sich zieht. Die derzeit handelsüblichen Produkte erfüllen diese vorgesehenen Anforderungen bei weitem nicht. Sie werden daher in absehbarer Zeit durch Produkte mit radikal verbessertem Produktdesign ersetzt werden (müssen).

Norm beschlossen

Ein europäischer Normentwurf (prEN 14059 „Öllampen - Sicherheitsanforderungen und Prüfverfahren”) wurde im November 2000 veröffentlicht und zum Einspruch aufgelegt. Die Reaktionen waren überwiegend positiv. Daher konnte die Norm ohne größere Änderungen fertig gestellt werden. Sie wurde im Juli 2002 endgültig verabschiedet. Mit der Veröffentlichung der Referenz zu dieser Norm im Amtsblatt der EU im April 2004 wurde sie de facto in Europa verbindlich.